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Keine Sitzgruppen mehr: Kundenärger im Ulmer Bahnhof (PM)

ULM

Keine Sitzgruppen mehr: Kundenärger im Ulmer Bahnhof



REBECCA JACOB | 17.05.2017

Nicht jeder Bahn-Kunde kauft seine Tickets gerne am Automaten.

Weniger Service, mehr Wartezeiten und steigender Kundenärger – im Bahnhof gibt es nach Erfahrungen der Ulmerin Annemarie Oberbeul Anlass zur Kritik. Vor den fünf Schaltern des Reisezentrums, an denen es Fahrkarten, Zuginformationen oder Erstattungen gibt,
konnten Wartende bislang Nummern ziehen und auf einer Bank warten. Doch die Sitzgruppe wurde ersatzlos entfernt, die Wartemarken gibt es nicht mehr. Für Annemarie Oberbeul ein Ärgernis: „Stehend warten, das kann ich nicht. Und bei vielen Leute dauert es eben“,
klagt die 79-Jährige. Sie lasse sich lieber persönlich beraten: „Diese Fahrkartenautomaten zeigen mir oft nicht die günstigste Route.“

Mangelnde Auslastung


In einem Brief an die Bahn beklagte sich Annemarie Oberbeul über „einen Kundenservice, der in längst vergangene Zeiten gehört: keine Nummernausgabe, keine Sitzgelegenheit!“ Mittlerweile ist sie mit einigen Formulierungen nicht mehr ganz glücklich:
„Ich habe vieles mit hitzigem Gemüt geschrieben, ich war etwas in Rage.“ Das Unternehmen antwortete sachlich – und kryptisch: „Um eine aussagekräftige Auswertung der Daten zur Steuerung der Schalterbesetzung aus dem Aufrufsystem zu gewinnen,
ist eine bestimmte Schalteranzahl nötig. Dies ist (...) nicht mehr gegeben.“

Auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE schickte die Pressestelle eine Mail: „An Standorten mit fünf und weniger Schaltern wurde entschieden, keine Aufrufsysteme mehr zu installieren.“ Mangelndes Kundenaufkommen sei ein Grund,
außerdem seien die Sitze ohnehin kaputt gewesen. Das kann Oberbeul nicht nachvollziehen: „Ich fahre sehr oft Zug und wenn ich im Reisezentrum bin, ist immer viel Betrieb. Außerdem kann man kaputte Sitze auch ersetzen.“

Sie vermutet, der Kunde solle „umerzogen“ werden, damit in Zukunft jeder sein Ticket am Automat oder online kauft. Auch gestern Mittag standen zehn Menschen in der Warteschlange – offenbar genau das, was die Bahn will:
„Bei Einheitswartereihen ist die Vorhaltung einer Sitzgelegenheit nicht erforderlich“, heißt es in der Antwort auf Oberbeuls Beschwerde. Die „Neuausrichtung“ betrifft auch die Standorte Augsburg, Basel, Berlin (Ostbahnhof, Zoo),
Darmstadt, Fulda, Ingolstadt und Wiesbaden. Die Bahn bietet an, bei Bedarf Stühle zur Verfügung zu stellen.

Kommentar der Redaktion
Service der Deutschen Bahn: Keine Überraschung
Es mag manchem unerheblich erscheinen: Wen interessiert bei ständig steigenden Preisen und den vielen Verspätungen eine fehlende Sitzgruppe und ein abgeschaffter Nummernautomat? Doch genau da liegt der Hund begraben:
Noch ein Service wird abgeschafft, das passt ins Gesamtbild, das man vom Unternehmen hat, es untermauert sein Image von der Servicewüste Bahn. Und das auch noch am Ulmer Hauptbahnhof, der ohnehin nicht gerade ein Musterbeispiel für Reisekomfort ist:
Der Hinweg erschwert durch die Baustelle, Taubendreck und alte Kaugummis wohin man sieht, keine Rolltreppen und jedes Mal ein Stoßgebet, dass das Kofferband funktioniert. Für ältere Menschen, besonders jene, die auf Gehhilfen angewiesen sind,
ist eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ohnehin ein Abenteuer, jetzt sollen sie auch noch minutenlang Schlange stehen, um sich ein Zugticket zu kaufen. Die Empörung ist verständlich. Den Konzern scheint es nicht zu kümmern:
Briefe werden mit kryptischen Floskeln beantwortet, Presseanfragen per Telefon sind gar nicht erst möglich. Es bleibt die Hoffnung auf Besserung: Die Bahn hat angekündigt, bis 2021 eine Milliarde Euro in die Bahnhöfe im Ländle zu investieren.
Bei aller Empörung will sich ein Gefühl jedoch nicht einstellen: Überraschung. Im Grunde hat man es von der Bahn eben nicht anders erwartet.

Ein Kommentar von Rebecca Jacob.

Quelle: http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/kundenaerger-im-ulmer-bahnhof-14999524.html
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Keine Sitzgruppen mehr: Kundenärger im Ulmer Bahnhof (PM)

Hechter29819. Mai 2017 08:37



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