Besonders problematisch erscheint mir die weit verbreitete Anspruchslosigkeit im Umgang mit infrastrukturellen Defiziten. Grundsätzlich sollte man erwarten dürfen, dass die verbliebenen Ingenieurkapazitäten bei der Bahn auf einem hohen fachlichen Niveau arbeiten. Falls jedoch selbst in diesem Bereich die Folgen von Bildungsdefiziten und sinkenden Qualitätsstandards spürbar geworden sind, ist das ein äußerst besorgniserregendes Signal. Am Beispiel der Strecke München–Rosenheim–Salzburg zeigt sich, dass bei der Generalsanierung offenbar auch ohne eine monatelange Totalsperrung tragfähige Lösungen möglich sind. Dass dies nun plötzlich umgesetzt wird, nachdem auf die vermeidbare Härte einer vollständigen Sperrung hingewiesen wurde, verdeutlicht, dass es offensichtlich weniger an technischen Möglichkeiten als vielmehr an Planung, Prioritätensetzung und Umsetzungswillen fehlte. Die Kombination aus nachlassendem Bildungsniveau, qualitativen Schwächen in Planung und Ausführung sowie einer gesellschaftlich verbreiteten Anspruchslosigkeit ist in ihrer Wirkung hochproblematisch. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Bürger diese Zusammenhänge entweder nicht erkennen oder nicht erkennen wollen