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Was sich rund um die Lindauer Bahnhofsdebatte zeigt, ist sinnbildlich für die strukturellen Fehlentwicklungen deutscher Infrastrukturpolitik. Über Jahre hinweg wurden zahlreiche fachlich fundierte, verkehrswissenschaftliche und betriebliche Einwände ignoriert, weil politische Akteure den Erhalt des Inselbahnhofs um nahezu jeden Preis durchsetzen wollten – ungeachtet der tatsächlichen Kapazitäts- und Betriebsrealitäten.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass man sehenden Auges eine Infrastruktur mit massiver Überkapazität erhalten wollte, während gleichzeitig in Reutin ein Bahnhof entstand, der bereits heute an seine Grenzen stößt – obwohl der eigentliche Zielfahrplan mit deutlich dichterem Verkehr noch gar nicht umgesetzt ist. Wer unter diesen Voraussetzungen weiterhin ernsthaft von einem durchgehenden Stundentakt München–Zürich oder gar von einer leistungsfähigen Bodensee-S-Bahn spricht, ignoriert die betrieblichen Fakten.
Hinzu kommt eine kommunalpolitische Führung, die über Jahre hinweg kaum Bereitschaft erkennen ließ, sich ernsthaft mit fachlicher Kritik auseinanderzusetzen. Statt ergebnisoffener Planung dominierte vielerorts ideologisch geprägte Symbolpolitik. Genau darin liegt das eigentliche Problem: Nicht fehlendes Geld oder fehlende Technik sind die größte Schwäche Deutschlands, sondern die Unfähigkeit, kausale Zusammenhänge nüchtern zu analysieren und daraus rationale Infrastrukturentscheidungen abzuleiten.
Lindau ist damit längst kein Einzelfall mehr, sondern ein Paradebeispiel dafür, warum Deutschland bei Groß- und Verkehrsprojekten zunehmend den Anschluss verliert. Man diskutiert emotional, plant politisch – und wundert sich anschließend über die absehbaren Konsequenzen im praktischen Betrieb.