Hallo,
das sehe ich komplett anders. Und DB Fernverkehr zum Glück auch.
Wenn DB Fernverkehr nur lukrative Strecken bedienen würde, dann würde der Fernverkehr nur noch zwischen den Metropolen verkehren. Fernverkehr muss aber in der Fläche angeboten werden! Also müssen die lukrativen Verbindungen mit den verlustbehafteten Strecken gegengerechnet werden und unterm Strich muss ein positives Ergebnis rauskommen.
Ein Beispiel wäre die Bodenseeschifffahrt. Die deutschen Schiffe sind komplett in Hand der Stadtwerke Konstanz (weshalb sämtliche Schiffslandestellen ja auch unter dem RiL100-Kürzel "R" für Karlsruhe laufen). Außer der Fähre Konstanz - Meersburg fahren alle Fahrgastschiffe eine negative Bilanz ein. Also die Bodenseeschifffahrt außer der Fähre einstellen? Nein! Die Fähre verdient so viel Geld, dass die andere Linien mitfinanziert werden können.
Grüße,
diezge
Micha_1991 schrieb:
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> MLI-TF hatte damals bereits recht: Dieser Zug
> hatte aus betriebswirtschaftlicher Sicht keinen
> erkennbaren Nutzen für den DB Fernverkehr und
> hätte konsequenterweise eingestellt werden müssen.
> Dass er heute dennoch nach Oberstdorf fährt,
> widerlegt diese Einschätzung nicht – im Gegenteil.
> Es zeigt vielmehr, wie wenig konsequent
> wirtschaftliche Kriterien in diesem Unternehmen
> offenbar angewendet werden. Anstatt
> verlustträchtige oder strategisch fragwürdige
> Angebote rechtzeitig zu hinterfragen, hält man an
> ihnen fest und verkauft das anschließend als
> Fortschritt.
>
> Der ICE-L nach Oberstdorf ist deshalb kein Beweis
> für eine kluge Fernverkehrsstrategie, sondern eher
> ein anschauliches Beispiel dafür, wie langsam
> Erkenntnisse bei der DB in operative
> Entscheidungen übersetzt werden. In einem
> tatsächlich liberalisierten und konsequent
> wettbewerblich organisierten Fernverkehrsmarkt
> wäre eine solche Verbindung vermutlich längst
> einer nüchternen Wirtschaftlichkeitsprüfung zum
> Opfer gefallen. Der Zug wäre dann wahrscheinlich
> nie gekommen.
>
> Dass er nun doch fährt, dürfte vor allem dem
> bekannten deutschen Entwicklungstempo geschuldet
> sein: Marktöffnung, Wettbewerb und
> betriebswirtschaftlicher Druck kommen so langsam
> voran, dass selbst fragwürdige Projekte noch
> umgesetzt werden, obwohl ihre langfristige Zukunft
> längst zweifelhaft ist. Mit zunehmender
> Liberalisierung dürfte dieser Zug daher ohnehin
> nur einen kurzen Gastauftritt haben. Sobald der
> Wettbewerbsdruck tatsächlich greift, werden
> Verbindungen wie Oberstdorf als Erstes wieder zur
> Disposition stehen.
>
> MLI-TF lag also nicht falsch. Die heutige
> Faktenlage zeigt vielmehr, dass er die
> wirtschaftliche Sinnhaftigkeit schon damals
> realistischer eingeschätzt hat als diejenigen, die
> den Zug nun als Erfolg feiern.