Das Beispiel mit der BSB passt aus meiner Sicht gerade deshalb nicht. Die Bodensee-Schiffsbetriebe haben auf vielen Strecken faktisch keinen Wettbewerb. Würde dort ein gleichwertiger Konkurrent verkehren, sähe die Kalkulation vermutlich schnell anders aus. Genau in diese Richtung entwickelt sich aber der Fernverkehr. Mit der Marktöffnung und neuen Anbietern wie Italo wird der Wettbewerb deutlich zunehmen. Daher halte ich diesen Fernverkehr langfristig für kaum tragfähig. Selbst bei einer Auslastung von 80 % bewegt sich ein Fernverkehrszug aus meiner Sicht gerade einmal an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit. Von einer dauerhaft so hohen Auslastung sind viele dieser Verbindungen jedoch weit entfernt. Mit zunehmendem Wettbewerb wird der wirtschaftliche Druck weiter steigen. Deshalb gehe ich davon aus, dass Strecken wie Westerland, Norddeich Mole, Binz, Oberstdorf oder Dresden langfristig stark eingeschränkt oder ganz eingestellt werden. Die EU will einen liberalisierten Fernverkehrsmarkt – und genau das wird die Folgen für solche Verbindungen sein. Aus meiner Sicht lag MLI-TF mit seiner grundsätzlichen Einschätzung also nicht daneben. Er ist lediglich davon ausgegangen, dass die Liberalisierung des Fernverkehrs deutlich schneller voranschreiten würde. Tatsächlich erfolgt dieser Prozess in Deutschland wesentlich langsamer, wodurch sich Entwicklungen verzögert haben, die unter stärkerem Wettbewerb vermutlich schon deutlich früher eingetreten wären.